6 Mrz
2011

Reguliere den Atem und beruhige den Geist

Ankunft: 0.30 Uhr

Nach guten 18 Stunden Busfahrt und sieben Pausen (Irgendwer musste immer) habe ich inzwischen einen guten Überblick über deutsche, belgische und französische Raststätten. Und ich war das erste Mal in einer kleinen Kirche, die für Reisende neben einer Raststätte erbaut war. Durch die breite Fensterfront hindurch blicke ich in die grüne Landschaft, auf ein Flüsschen und die ersten blauen und gelben Krokusse. Ich finde es wohltuend einige Minuten in dieser Ruhe zu verbringen.

Und schon geht es weiter. Trotz der – wie wir meinen – nicht endenden wollenden Fahrt – sind wir alle gut drauf. Wir lesen – überwiegend Krimis, führen geistreiche Gespräche z. B. darüber, dass Dieter festgestellt hat, dass er Frauenlieder liebt, spielen Kniffel oder schlafen einige Zeit. Die einen lautlosen als die anderen.

An den Lunchpaketen gibt es nichts zu kritisieren. Besonders die Käseecken kamen gut an. Ein großes Dankeschön an das Küchenteam der Stormarner Werkstatt. Und auch die private Verpflegung wurde brüder- und schwesterlich geteilt. Danke, Roosty, die kalten Würstchen waren lecker. Und das du auch noch den mittelscharfen Senf eingepackt hast. Da zeigen sich die hausmännlichen Fähigkeiten.

Die Pausen haben wir gut genutzt. Einen wunderschönen Sonnenuntergang auf dem Rastplatz kurz vor Paris genossen (den muss man gesehen haben) und die Schmerzen im verlängerten Rücken ( Ana:“ Ich kann nicht mehr sitzen“) mit der Qi Gong Übung Reguliere den Atem und beruhige den Geist bekämpft.

Und dann sind wir in Olivet – laut Navi noch 2 km und wir sind in unserem Schlösschen. Denkste – zu früh gefreut. Die Brücke unter der wir durchfahren müssen ist für den Reisebus zu niedrig, es geht nicht weiter. Ich denke an den Reisesegen, den ich in der Raststätte gelesen habe. „Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen“.  Es hat geklappt.

3 Mrz
2011

Nachhilfe für die Presse

Michael Schmerschneider, Musukdozent, leitet die Werkstattband Leuchtfeuer und bietet in Olivet einen Musikworkshop an.

Michael Schmerschneider, Musukdozent, leitet die Werkstattband Leuchtfeuer und bietet in Olivet einen Musikworkshop an.

Wir sitzen in der vorletzten Französischstunde vor der Abfahrt nach Olivet. Neben uns alten Franzosen haben sich Gäste zu uns gesellt. Michael Schmerschneider alias Rusty, unser Bandleader und musikalischer Leiter, der in Frankreich einen Musikworkshop anbietet, Andreas Olfert von der Oldesloer Zeitung und Martin von Schachtmeyer, Präsident des Rotary Clubs Bad Oldesloe. Der Rotary Club Bad Oldesloe unterstützt die Bildungsfahrt mit 1000 €. Alle drei kramen tief in ihren Erinner

ungen aus ihrem Französisch Unterricht in der Schule. Zur Not können wir ja helfen.

Männlich oder weiblich – darum geht es heute. Le verre (das Glas), la soupe (die Suppe), le port (der Hafen) und  la porte (die Tür). Sind Männer multitaskingfähig? Arne tritt den Beweis an. Er kann sich mit seinem Banknachbarn unterhalten und trotzdem die richtigen Artikel zu den Begriffen finden. Wir Frauen sind beeindruckt.
Und heiß

t la pomme nicht Pommes auf Deutsch? Ach nee, Pommes heißen le frites  in Frankreich. Und die Kartoffel la pomme de terre.
Wieder ist die kurzweilige Unterrichtsstunde  schnell vorbei gegangen.
Wir werden allmählich etwas aufgeregt, am Sonntag morgen mit dem ersten Hahnenschrei geht es los – auf nach Olivet.

22 Feb
2011

Nur keine Angst

Es wird ernst. Na gut, ganz so ernst nun auch wieder nicht. Die Teilnehmenden sind noch nicht in Frankreich angekommen. Aber immerhin ist heute schon einmal eine echte Französin zu Gast im Unterricht: Frau Wendt. Sie wird die Gruppe auf ihrer Reise begleiten. Heute wird die Muttersprachlerin schon einmal vorführen, wie die Menschen in Frankreich sprechen.

„Erst wiederholen wir noch ein bisschen, was wir in den vergangenen Wochen gelernt haben. Danach stellt Frau Wendt Euch ein paar Fragen“, erklärt Herr Schwitzke und dreht sich zu Frau Wendt. „Du sagst Bescheid, wenn wir etwas falsch machen. Für jeden Fehler, den Du findest, bekommst Du 50 Cent.“

Die Übungen klappen gut. Und dann geht es los. Frau Wendt löst Herrn Schwitzke ab. Sie möchte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erst einmal kennenlernen. „Qui-es tu?“, fragt sie der Reihe nach. Alle stellen sich mit ihrem Vornamen vor, wie sie es bisher gelernt haben. „Es kann Euch aber auch in Frankreich passieren, dass Ihr nach Eurem Nachnamen gefragt werdet“, sagt Frau Wendt. „Das probieren wir jetzt gleich mal aus.“ Als sie sich nach Arnes Nachnamen erkundigt, ruft er aus Spaß laut „Banane“. So lernen alle gleich noch ein neues Wort dazu: la banane. Verhungern muss in Frankreich wirklich niemand mehr.

„Baguettes und Croissants sind in Frankreich schon für Euch bestellt“, verspricht Frau Wendt zum Abschied. Sie ist begeistert davon, wie viel die Gruppe schon gelernt hat. “Ihr dürft nur keine Angst davor haben zu sprechen“, sagt sie. Bianca lacht. „Wenn wir zurückkommen, müssen wir wahrscheinlich erst mal wieder Deutsch lernen.“

18 Feb
2011

Zu viel Cola färbt die Füße schwarz

„Eines der Wörter, das wir heute dazulernen, ist ‚dans’. Was heißt das denn?“ fragt Herr Schwitzke in die Runde und blickt in verständnislose Gesichter. Dann dämmert es ihm. „Oh, das habe ich Euch ja noch gar nicht gesagt.“ Alle kichern und nachdem er ihnen erklärt hat, dass ‚dans’ der französische Ausdruck für ‚in’ ist, fangen sie gleich an, damit zu üben.

Es sind viele gute Ideen zusammengekommen.

Es sind viele gute Ideen zusammengekommen.

Welche Getränke könnten sich beispielsweise ‚dans la bouteille’ (in der Flasche) befinden?

Nadine schlägt Kakao vor, Mirko Orangensaft, Bob Mineralwasser und Dieter Bier. Die französische Variante des Gebräus würde er auf der Reise gerne mal probieren. Ana steuert noch Cola bei, was bei ihrer Tischnachbarin Bianca einen Lachanfall auslöst. „Aber nicht zu viel davon trinken. Meine Mutter hat immer gesagt, sonst bekommt man schwarze Füße“, erzählt sie prustend.

Nach einer kurzen Wiederholung der Zahlen von eins bis fünf, geht es nun weiter bis zehn. Ruth hat schon einmal acht Monate in Frankreich gelebt. Sie kann sich noch gut an die entsprechenden französischen Vokabeln erinnern. Sicher könnte sie auch noch weiterzählen. „Bis zehn reicht für den Anfang“, erklärt Herr Schwitzke. „Und wenn Euch jemand fragt, wie alt ihr seid, dann schreibt ihr das einfach auf.“ Martina liest noch einmal alle Zahlen laut vor.

Und nun alle!

Und nun alle!

„Ihr macht doch fast alle in der Werkstattband mit und seid musikalisch. Deswegen singen wir zum Abschluss noch etwas“, verkündet Herr Schwitzke gegen Ende der Stunde. Er stimmt das französische Kinderlied Frère Jacques an — allerdings auf Deutsch. Unter dem Namen Bruder Jakob ist es auch bei uns im Land sehr bekannt. Zwinkernd fügt der Lehrer anschließend hinzu: „Beim nächsten Mal geht das auch schon auf Französisch. Bestimmt sogar im Kanon!“

8 Feb
2011

Von schönen Franzosen und vom Nachsitzen

Mit ein bisschen Spaß lernt es sich viel leichter.

Mit ein bisschen Spaß lernt es sich viel leichter.

„Aber was mache ich denn, wenn ich dort einen schönen Franzosen kennenlerne und dem dann hinterher schreiben will?“, fragt Bianca gespielt empört. Herr Schwitzke hat ihr gerade erklärt, dass sie für die Reise nicht unbedingt wissen muss, wie die französischen Worte geschrieben werden. „Für Euch ist es wichtiger, ungefähr zu wissen, wie man sie ausspricht. Wenn Ihr Euch dabei ein bisschen irrt, verstehen die Franzosen Euch aber trotzdem“, erklärt er.

Das beruhigt doch etwas, denn auch heute kommen wieder einige neue Worte und Ausdrücke dazu, die nicht ganz einfach sind. Zum Beispiel „aimer“ (lieben oder gefallen), le bol (die Trinkschale) oder „le lait“ (die Milch). Damit kann Herr Schwitzke gut an das Thema vom letzten Mal anknüpfen. „J’aime le café. Das heißt: Ich mag den Kaffee“, übersetzt er und zeigt am Flipchart auch gleich, wie man das Verb „aimer“ richtig konjugiert.

sieht kompliziert aus

sieht kompliziert aus

Schnell blättert er die Seite mit der Tabelle um. „Das war das Training und nun kommt das Match.“ Arne soll gleich mal zeigen, was er eben gelernt hat — und zwar aus dem Kopf. Er legt los: „Je, tu, il/elle, nous, vous, ils/elles.“ Herr Schwitzke schmunzelt. „Da war die Hälfte richtig. Das waren alle Personalpronomen. Arne hat nur das Verb vergessen.“ Beim zweiten Versuch klappt es aber. Arne macht alles richtig und die anderen klatschen begeistert Beifall.

„Wenn wir etwas bestellen müssen, häng ich mich einfach an Dich“, wendet er sich an Bianca. Sie hat nämlich fleißig geübt und überall in ihrer Wohnung Zettel mit Vokabeln aufgehängt — in der Küche, im Badezimmer, im Flur und sogar im Schlafzimmer.

Auch Dieter hat gut aufgepasst. Wenn er die Antwort auf eine Frage kennt, platzt er eifrig damit heraus. „Ihr sollt Euch melden, sonst fünf Minuten nachsitzen“, ermahnt Herr Schwitzke scherzhaft mit erhobenem Zeigefinger. Beim nächsten Mal meldet sich Dieter ganz gehorsam. Und so muss heute niemand nachsitzen.

4 Feb
2011

Café, Croissants und Krokodile

„Diejenigen, die letztes Mal da waren, möchten den anderen doch bestimmt zeigen, was sie gelernt haben“, sagt Herr Schwitzke, der Französischlehrer. Er wirft einen Blick auf den klitzekleinen, vollgekritzelten Notizzettel in seiner Hand. Seine Unterrichtsvorbereitungen hat er bei sich, es kann losgehen.

Konzentriertes Lernen im kleinen Kreis

Konzentriertes Lernen im kleinen Kreis

Auch in der dritten Unterrichtsstunde sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gut gelaunt und sehr gespannt auf die heutige Lektion. In den beiden vergangenen Wochen haben sie schon einige hilfreiche Worte und Sätze gelernt, um sich in Frankreich verständigen zu können: Sie können sich vorstellen, sagen, wo sie wohnen und wo sie sich befinden und kennen die Zahlen von eins bis fünf. Und genau das wird nun erst einmal wiederholt.

In jeder Unterrichtsstunde wird natürlich auch etwas Neues dazugelernt. Dieses Mal stehen landestypische Speisen und Getränke auf dem Plan — ein Thema, das bei den Teilnehmenden gut ankommt. Denn essen und trinken muss schließlich jeder, auch in Frankreich. „Ich will mir ja nicht aus Versehen ein Krokodil bestellen“, lacht Bianca.

Herr Schwitze zeichnet verschiedene Dinge an das Flipchart. Gemeinsam versuchen alle zu erraten, was gemeint ist. Schnell kommt einiges zusammen: ein Stangenbrot (une baguette), ein Hörnchen (un croissant), eine Flasche (une bouteille) sowie ein Becher (un pot) und eine Tasse (une tasse) für einen Kaffee (un café). Verbunden mit einem höflichen „s’il vous plaît“ (bitte) reicht das schon einmal für ein leckeres Frühstück.

Dass „Merci“ „Danke“ heißt und „Au revoir“ „Auf Wiedersehen“ hat inzwischen jeder gelernt. Doch wie lautet das französische Wort für „Verzeihung“? Herr Schwitze wendet sich an Mirco: „Du bist ja sehr groß. Wenn Du in Frankreich ein kleines Mädchen umrennst, dann sagst Du ‚Pardon’. Und danach hilfst Du ihr am besten auch wieder hoch.“ Alle prusten vor Lachen. Durch dieses lustige Beispiel können sie sich das neue Wort gut merken.

Jan-Hendrik hat sein Wörterbuch immer dabei.

Jan-Hendrik hat sein Wörterbuch immer dabei.

Vereinzelte Worte und Sätze zu kennen, reicht aber nicht aus. Und deshalb bringt Herr Schwitzke den Teilnehmen den auch wichtige Umgangsformen bei. „Salut“ sagt man beispielweise nicht nur zur Begrüßung, sondern auch zum Abschied. Und beim Guten Tag-Sagen in einem Geschäft ist es höflicher, die Person direkt anzusprechen, also „Bonjour Madame“ oder „Bonjour Monsieur“ zu sagen, statt nur „Bonjour“ in den Raum zu rufen.

„Am Abend sagt man übrigens ‚Bonsoir’“, weiß Bob. Er ist in der Demokratischen Republik Kongo aufgewachsen und kennt daher viele französische Ausdrücke. Herr Schwitzke muss ihn manchmal ein bisschen bremsen: „Nicht so schnell, die anderen sind noch nicht so weit wie Du, Bob.“ Aber das macht nichts, denn sie sind auf einem guten Weg. Mit jeder weiteren Unterrichtsstunde lernen sie eine Menge dazu.

Für heute ist der Kurs vorbei. Alle freuen sich schon auf den kommenden Dienstag. Wer weiß, was dann auf dem Plan steht…